Henker und Steckenknechte

Henker und Steckenknechte

Wehe dem, der aus der Reihe tanzt!

Auch wenn es heute ausgerechnet die Gruppe der Steckenknechte ist, die an verschiedenen Zugängen zur Altstadt den Verkauf der Festzeichen kontrolliert – zu befürchten hat der Besucher deswegen wenig. Obwohl, ein gewisser Nachdruck mag sich durch den namengebenden Stecken, den die Knechte bisweilen auch mal als eindeutige Geste ihres Missfallens drohend erheben, wohl doch einstellen. Ein Effekt, der die Steckenknechte nicht zuletzt auf ihre Funktion in historischen Zeiten hin kennzeichnet. Denn wie die Stadtwache innerhalb der Stadtmauern auf der Grundlage herrschaftlicher Ermächtigung für Recht und Ordnung sorgte, so dienten die Steckenknechte der Disziplinierung der Landsknechtshaufen. Ob der den Söldnern offensichtlich angeborenen Tendenz zu Saufgelagen, Glücksspiel und Raufhändeln eine ebenso ungeliebte wie damals auch als „ehrlos“ angesehene Aufgabe. Die abzuschütteln, nach Beendigung eines Feldzugs durchaus möglich war. Denn bei guter Pflichterfüllung bestand die Möglichkeit, vom Obristen „begnadet und fromm“, also „ehrlich“ gemacht zu werden. Andernfalls mochte es durchaus empfehlenswert erscheinen, sich nach Ablauf des Pflichtverhältnisses zum Selbstschutz so schnell wie möglich aus dem Staub zu machen. Als eine Art „Feldpolizei“ unterstanden Stockmeister und Steckenknechte dem Profoß, der als Ankläger und Strafverfolger auch dem sog. Freimann, dem Scharfrichter, befehligte und die Landsknechte je nach Schwere ihres Vergehens „am Leib / Gut und auch Gelt“ bestrafte. Neben der Festsetzung und Bewachung der Gefangenen sowie dem Ausführen von Körperstrafen oblagen den Steckenknechten auch solche Aufgaben wie die Beaufsichtigung der Trossweiber bei der Latrinenreinigung.

Heute freilich setzt sich die 1990 gegründete Gruppe der Steckenknechte nicht mehr aus Söldnern, sondern ausnahmslos aus Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Mindelheim und deren Angehöriger zusammen. Ursprünglich entwickelt hat sich die Gruppe aus dem Wunsch nicht mehr nur als „Zeichenverkäufer in Feuerwehruniform“ mehr oder weniger außerhalb des Festgeschehens zu stehen, sondern in dieses aktiv und unmittelbar eingebunden zu sein. Andersherum kommt mit der Gründung der Steckenknechte als Einlasskontrolle die Haltung des Frundsberg Festrings zum Ausdruck, bereits die Begrüßung der Besucher zum Festgeschehen stimmig zu gestalten. Ihre eigentliche historische Funktion spielen sie jedoch erst bei den diversen Festspielen und nicht zuletzt im Umzug aus, wenn ein armer Teufel in der Schandgeige und unter Stockschlägen durch die Straßen getrieben wird, um ihn dann und wann in die Knie zu zwingen, seine Untaten aufzählend und die kommenden Strafen ankündigend vom begleitenden Mönch noch die (letzte) Beichte abnehmen zu lassen. Übrigens: Weder Zuschauer noch Aktive brauchen sich über eine etwaige Verhaftung Sorgen zu machen. Der „Freiwillige“ für den ebenso unbequemen wie an heißen Sommertagen schweißtreibenden Marsch durch die Stadt stammt stets aus den Reihen der Steckenknechte selbst. Wie inzwischen auch der Henker mit seinen zwei Henkersknechten. Über die Jahre ist die Gruppe auf rund 45 Erwachsene mit Anhang angewachsen. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch aufgrund diverser Abriss- und Umbauarbeiten am traditionellen Lagerplatz der Steckenknechte an der Mindelgasse, beziehen die Steckenknechte mit dem Frundsbergfest 2012 ein neues Quartier in der Imhofgasse.

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