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Vergangenheit wird zur Leidenschaft
Das Frundsbergfest verleiht nicht nur den 3500 Mitwirkenden eine Gänsehaut.
Von Marcus Barnstorf
In der Mindelheimer Altstadt knistert das Feuer, Trommeln hallen durch die Gassen, und ein Kind ruft staunend: „Schau mal, da kommen die Landsknechte!“ – ein Moment, der spüren lässt, warum das Frundsbergfest zu den eindrucksvollsten historischen Stadtfesten Deutschlands zählt. Von Freitag, 26. Juni, bis Sonntag, 5. Juli, taucht die Kreisstadt des Unterallgäus wieder in jene Zeit ein, in der der Vater der Landsknechte, Georg von Frundsberg, die Region prägte. Wer durch die Straßen geht, erlebt keine Inszenierung, sondern ein Fest, das von Herzen kommt und eine ganze Stadt in Bewegung setzt.
Die Besucherinnen und Besucher erwartet eine Zeitreise ins Mittelalter. An beiden Wochenenden füllt das Altstadtfest mit seinem Lagerleben die Plätze, Handwerkszünfte ziehen am Samstagvormittag zum historischen Bauernmarkt, und unterhalb der Mindelburg wird am ersten Samstag die Schlacht von Peutelstein nachgestellt. Eine Woche später stürmen die Landsknechte die Stadtmauer – ein Schauspiel, das jedes Mal aufs Neue Gänsehaut auslöst. „Das Frundsbergfest ist der Kitt, der die Stadt zusammenhält“, sagt Norbert Sliwockyj, Vorsitzender des Frundsberg Festrings. „Ein Ziel, das alle verbindet – Kinder und Erwachsene, Handwerker und Akademiker.“
Dass dieses Fest so tief im Herzen Mindelheims verankert ist, hat eine lange Geschichte. Vor 190 Jahren zogen erstmals Kinder mit ihren Lehrern zum Katharinenberg, um mit Spielen an den einstigen Stadtherrn zu erinnern. Aus diesem Kinderfest entwickelte sich über die Jahrzehnte ein Ereignis, das seit 1976 alle drei Jahre die gesamte Stadtbevölkerung erfasst. „Es ist ein Stück Identität, ein Heimatgefühl“, beschreibt Sliwockyj. „Wenn ich beim Festumzug durch das Obere Tor laufe und mir Dankbarkeit entgegen schwappt, ist das ein Hochgefühl und ein besonderer Gänsehautmoment. Dann weiß ich, dass es die vergangenen drei Jahre Vorbereitungszeit wert waren!“
Alle können mitmachen
Damit die Zeitreise gelingt, achten die Verantwortlichen auf jedes Detail. Florian Kastenmeier, im Festring für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, betont: „Besonders freut mich das Lagerleben, wo jeder in die Lager der verschiedenen Fähnlein gehen kann, sowie die Detailgenauigkeit, dass alles historisch korrekt ist.“ Armbanduhren oder stylische Brillen bleiben außen vor. Viele Mitwirkende tragen eigene Gewänder, die sie teils selbst anfertigen. Für Sliwockyj ist diese Offenheit entscheidend: „Alle können mitmachen – sie sind Teil des Fests.“
Tradition bedeutet in Mindelheim jedoch nicht Stillstand. Die Zusammenarbeit innerhalb des Festrings sei heute harmonischer denn je, sagt Sliwockyj, während Kastenmeier ergänzt: „Bei jedem Fest optimieren und verändern wir etwas – mal deutlicher, mal im Hintergrund.“ Besonders am Herzen liegen beiden die Kinder, die bis heute als Erinnerung an das einstige Kinderfest den Festzug anführen. Beim Kindernachmittag können die Jüngsten Georg von Frundsberg und seine Familie hautnah erleben. „Viele wachsen in die Tradition hinein“, so Sliwockyj. „Sie bekommen das Gen mit der Muttermilch.“
Getragen wird das Fest, das vor zehn Jahren mit dem Bayerischen Heimatpreis ausgezeichnet wurde, von einem beeindruckenden ehrenamtlichen Engagement. „Ohne Ehrenamt gibt es keine Tradition“, betont Stadtrat Kastenmeier. Die Stadt allein könnte ein Fest dieser Größe nicht stemmen. Sicherheit und Organisation liegen auch in den Händen zahlreicher Helferinnen und Helfer, die mit offenen Augen durch die Gassen gehen. Große Neuerungen bleiben bewusst aus, doch punktuelle Verbesserungen wie optimierte Beschilderung oder ein neues Wochenendticket erleichtern den Besuch, während Banner an den Ortseingängen sowie an frequentierten Stellen im Stadtgebiet auf das Großereignis hinweisen.
Social Media & Co.
Auch die Digitalisierung hält verstärkt Einzug, ohne den Charakter des Festes zu verändern. Erstmals gibt es einen Online-Vorverkauf. Vor Ort unterstützt der Ticketservice der Mindelheimer Zeitung. An den sechs Eingängen ist Kartenzahlung möglich. Social Media spielt eine immer größere Rolle: „Wir bespielen die gängigen Kanäle wie Instagram, Facebook, Youtube und unsere Internetseite, um möglichst vielen das Frundsbergfest schmackhaft zu machen“, erklärt Kastenmeier. Hierfür arbeitet er mit professioneller Begleitung des MZ-Medienhauses zusammen.
Dass das Publikum internationaler geworden ist, zeigt sich besonders am zweiten Wochenende, wenn Delegationen aus den Partnerstädten und langjährige Freunde des Frundsberg Festrings, der Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft historischer Kinder- und Heimatfest Süddeutschlands ist, aus dem Ausland anreisen. Ein besonderer Höhepunkt erwartet die Besucherinnen und Besucher bereits zum Auftakt: die weltberühmten Fahnenschwinger aus dem italienischen Sansepolcro, deren Auftritt seit vielen Frundsbergfesten begeistert.
Wer es besucht, erlebt keine bloße Darstellung, sondern eine Stadt, die ihre Geschichte lebt und mit Leidenschaft weiterträgt. „Das Frundsbergfest ist die DNA Mindelheims“, sagt Kastenmeier stolz. Und wer einmal durch die Gassen geht, die Fanfarenklänge hört und die Freude der Menschen sieht, versteht sofort, warum dieses Fest seit Generationen fasziniert.
Auf einen Blick
Das Mindelheimer Frundsbergfest ist eines der größten, historischen Stadtfeste in Süddeutschland. Alle drei Jahre verwandelt sich die Altstadt in eine lebendige Szenerie des 15. und 16. Jahrhunderts. Es ehrt Georg von Frundsberg, einen bedeutenden Feldhauptmann und Stadtherrn, dessen Landsknechte und Zeitgenossen während des Festes in aufwendigen Kostümen dargestellt werden.
Die Unterallgäuer Kreisstadt wird zu einer mittelalterlichen Bühne mit Lagerleben, Musik, Handwerk, Gauklern, historischen Spielen, Theater und zwei großen Festumzügen mit 2000 Mitwirkenden. Zwischen Freitag, 26. Juni, und Sonntag, 5. Juli, entsteht – insbesondere an den beiden Wochenenden – eine Atmosphäre, die über 40.000 Besucherinnen und Besuchern in das Leben der Renaissance eintauchen lässt und Mindelheim zu einem Treffpunkt für Geschichtsbegeisterte macht.
pdf-Download: PM 2026-01 Vergangenheit wird zur Leidenschaft
Frundsbergfest Mindelheim bringt Geschichte und Ehrenamt zusammen (ext. Link)